Lebensübergänge gestalten - Ritualformate


Eine Initiation beginnt immer mit einem Ende und endet mit einem Anfang“ (Victor Turner)

Visionssuche

Die Visionssuche ist ein uraltes Übergangsritual, welches es in unterschiedlicher Form zu jeder Zeit in allen Kulturen gegeben hat. Es diente dazu, die Menschen, die sich in Übergängen befanden, zu begleiten und diese Transformation kraftenfaltend zu gestalten und zu würdigen. Der klassiche Übergang war der, vom Jugendlichen zum Erwachsenen. In unserer modernen Gesellschaft gibt es viele Übergänge, natürliche (Geburt, Pubertät, Midlife-Crisis, Wechseljahre, Tod) und vom Alltag gegebene (Schulbeginn und -abgang, Jobwechsel, Umzug, Heirat, Trennung uvm). In diesen Übergängen, in denen das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht greift, braucht es eine Zeit der Leere und Stille, damit das Leben die Chance hat, einem mit zu teilen, was es denn von einem will, wie die Neu-Ausrichtung aussehen kann und was die eigene Wahrheit ist. Die moderne Form der Visionssuche, wie sie hier angeboten wird, bietet einen sicheren Rahmen und professionelle Begleitung in dieser Zeit der Stille und Neuausrichtung an.

Sie gestaltet sich in drei Phasen:

Ablösung

In dieser Zeit der Vorbereitung gehen wir mit dir durch dein Lebensrad und schauen, was dich hergebracht hat, was es zu bestätigen gilt und was es braucht, damit du mit der ausreichenden Sicherheit und Herausforderung in deine Solozeit gehen kannst.

Solozeit

Nach dieser intensiven und guten Vorbereitung, gehtst du 3-4 Tage alleine, fastend mit allem was nötig ist, in die Wildnis und bist mit dir und den Kräften der Natur alleine. In dieser Zeit gibt es nichts zu tun und du bist ohne Ablenkung, so dass du leer werden kannst und das Leben dir mitteilen kann, was es von dir will. Hier können auch Schatten sichtbar werden, die sich oft als Wächter von Potentialen erweisen, für die du manchmal erst die nötige Reife erlangen musst, damit sie wieder zur Verfügung stehen. 

Integration

Nach der Zeit des Allein-seins, kehrst du in die Gemeinschaft zurück und deine Geschichte wird im Kreis gehört und gespiegelt. Nun wird es darum gehen, deine Gaben und Erkenntnisse in den Alltag zu tragen. Wir bieten hier eine einjährige Begleitung in diesem Integrationsprozess an.

 


Walk away und Wandlungspfade

Idee und Hintergrund

Hierbei handelt es sich um Übergangsrituale für Jugendliche und junge Erwachsene, welche das Ende von etwas Altem und den Übergang zu etwas Neuem markieren, z.B. den Übergang zu einer weiterführenden Schule oder Ausbildung, den Schulabgang, das Ausbildungsende oder der Auszug aus dem Elternhaus. Zudem soll es rituell die Ablösung von der Kindheit nachvollziehen und die Phase der Jugend und des jungen Erwachsenen mit seinen Qualitäten und Aufgaben bewusst machen und bestätigen.

Hierzu gehört auch die Ablösung der Eltern von der Kindheit ihres Kindes.

Solche Art Lebensübergänge wurden zu jeder Zeit in allen Kulturen bestätigt und gewürdigt, um die Menschen kraft-entfaltend in etwas Neues hinein zu initiieren. Initiation meint hier, etwas in Gang bringen, in die Wege leiten, einen Schritt weiter zu gehen und in eine Gemeinschaft, z.B. die der Erwachsenen aufgenommen zu werden.

Unter einem Ritual verstehen wir eine Struktur und Form, die durch symbolische Handlungen einen besonderen Moment markiert und einrahmt. Damit ein Ritual initiatisch wirken kann, beinhaltet es immer auch eine Solozeit, in der die Teilnehmer*innen ohne Gemeinschaft sind, um dann wiederum von dieser willkommen geheißen und gewürdigt zu werden.

Bereits bekannte Rituale in diesem Zusammenhang stellen der Walkaway und die Jugendvisionssuche dar. Die Wandlungspfade liegen von ihrer Intention und Struktur eher dazwischen, da es ähnlich wie der Walkaway (3 Tage) den Abschied von der Kindheit bestätigt, aber im Vergleich dazu eine längere Vorbereitungszeit und ein Ritual für die Eltern beinhaltet (5 Tage). Die Jugendvisionssuche dauert in der Regel 10-12 Tage und beinhaltet eine 3tägige Auszeit, die den Übergang ins Erwachsen-Sein markiert.

Die Wandlungspfade wurden von mir und Dieter Georg Tremmel ins Leben gerufen, da wir die Erfahrung gemacht haben, dass das Format des WalkAways zu kurz ist, um die Kinder ausreichend in ihrem Prozess der Ablösung zu belgeiten.

Adressaten:

Mit diesen Formaten sind alle Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 14 und 26 Jahren angesprochen. Bedingung ist hier die freiwillige Teilnahme.

Intention:

Durch eine bewusste und würdigende Ablösung z.B. von der Schule oder den Eltern, erleben die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, was es bedeutet, das eigene Leben mit all seinen Höhen und Tiefen und auch Fehlschlägen an zu nehmen und mit so einem Erfahrungsschatz reich beschenkt statt belastet weiter gehen zu können.

Sie lernen Entscheidungen für ihr Leben zu treffen und hierfür Verantwortung zu übernehmen.

Darüber hinaus ermöglicht ihnen der Spiegel der Natur eine wertfreie, aber ehrliche Standortbestimmung bezüglich ihrer eigenen Entwicklung. Damit geht auch die Akzeptanz der eigenen Stärken und Schwächen einher.

Im Kontext von Gemeinschaft erleben sie sich in Bezug zu anderen und erfahren, dass auch sie ihren Beitrag leisten können, um Gemeinschaft lebendig zu gestalten. Hier werden soziale Kompetenzen aufgebaut, die über das Erfahrungslernen nicht mehr bloß zu einer verstandesmäßigen Vorschrift, sondern zu einer Herzensangelegenheit werden.

Im intensiven Kontakt mit der Natur, erleben sie, dass sie nicht getrennt von dieser sind und ihre Umwelt zu schützen wird zu einer existentiellen Angelegenheit.

Wenn Altes nicht mehr greift und das Neue aber noch nicht trägt, ist dies ein Schwellenzustand, der viel Vertrauen braucht, um im All-ein(s)-Sein, heraus zu finden, wo es hingehen soll. Hierfür braucht es auch die Gemeinschaft der Erwachsenen und eine Begleitung in diesem Prozess.

Es geht im Grunde um die Frage: Wer bin ich? Was brauche ich nicht mehr? Was ist mir wichtig und wo will ich hin?

Die Industrie bietet hier vielerlei Produkte an, um diese Fragen zu beantworten. „Wenn du diesen Pulli trägst, bist du der Held; mit diesem Make up bist du eine schöne Frau, die jeder liebt, mit diesem Deo bist du ein echter Mann und wenn du dann noch dieses Auto fährst, bist du Gott...“

Das Fatale dabei ist jedoch, dass es nur ein Ersatz ist und diese Fragen nicht hinreichend, authentisch und kraft-entfaltend beantworten kann.

Wir möchten, dass die Jugendlichen/jungen Erwachsenen unabhängig von diesen Produkten werden, um das Gefühl von Zugehörigkeit zu bekommen oder sich als Mann, Frau oder auch jemand fühlen zu können.

Durch den Spiegel der Natur erkennen sie, dass schon alles da ist und dass sie keine andere Chance haben, als sich selbst anzunehmen.

Programmgestaltung Wandlungspfade:

Das Ritual beginnt Mittwoch morgens um 10 Uhr und endet am darauffolgenden Sonntag um 14 Uhr. Die Vorbereitung dauert 2 Tage, dann folgt ein 24 Stunden Solo und 2 Tage Nachbereitung. Die Eltern oder Erzieher*innen nehmen von Samstag, 5.30 Uhr bis Samstag ca. 20 Uhr am Ritual teil.